Ordentlich anschieben

Ordentlich anschieben

Eigentlich gab es jetzt ja lange Zeit geschuldet dem trüben Wetter, den Reisebeschränkungen und der Ausgangssperre keinen echten Anreiz zu fotografieren. Entweder hat man private Aufnahmen gemacht, sich technischen Probierereien hingegeben oder eben einfach immer dieselben Szenen vorgefunden, nämlich die hinlänglich bekannten, leeren Orte mit vermummten Gestalten. Dafür ist irgendwann jeder Film zu schade.

Probiert habe ich auf jeden Fall einmal, einen Ilford HP5 mittels Microphen auf ISO 3200 zu bringen. Damit die Aufnahmen leichter von der Hand gehen, habe ich mir die Point-and-Shoot Leica C1 als Kamera gewählt.

Da gibt es nur ein kleines Problem. Die Leica C1 läßt keine manuelle Einstellung der Filmempfindlichkeit zu. Sie wertet die DX Codierung aus. Wenn man den Film ordentlich anschieben will, ist das aber leicht bewerkstelligt. Man besorge sich die einschlägigen DX-Codiertabellen und kratze schön vorsichtig den Lack für die Stellen 800 und 1600 einfach weg. Ich habe noch darauf geachtet, dass die Filmdose nachher komplett sauber war und dass kein Abrieb in den Filmschlitz gelangt ist.

Um es kurz zu machen: so richtig froh bin ich mit den Fotos nicht geworden. Ein sind ein paar gute Fotos – auch Personenfotos – gelungen. Andere Fotos waren einfach unscharf. Ich vermute, dass die Leica einfach bei den Situationen an ihre Grenzen geraten ist.
Aber so grundsätzlich ist das kein schlechtes Vorgehen für mich. Ich denke, “zu besseren Zeiten” werde ich nochmal mit dann einer schwächeren Anhebung auf z.B. ISO 800 experimentieren.
Für Museumsfotos könnte ich mir auch gut eine Anhebung auf 1600 und der Verwendung einer rein mechanischen Kamera nebst Handbelichtungsmesser vorstellen.

Keine Farbe – nirgends!

Keine Farbe – nirgends!

Im Januar ist mir wieder einmal eine Canon AE-1 in die Hände gerade geraten. Sie war nur unwesentlich jünger als meine Canon aus dem Erscheinungsjahr. Wie die Besitzerin mir mitteilte, war sie vor langer Zeit einmal heruntergefallen und danach von einem Fotohändler als Schrott deklariert worden.

Merkwürdiger Weise löste sie zuverlässig und tadellos aus. Selbst vorsichtige Dreh- und Rüttelversuche änderten daran nichts. Auch der Check der Belichtungszeit verlief so wie erwartet ordentlich bis zur 1/500stel. Einzig der Hebel für die Prüfung der Abblendung liess ich nicht ganz hineinschieben. Ich konnte nur hoffen, dass nicht der Hebel jetzt irgendwo intern an den Leiterbahn entlangschrammte und die Abblendversuche mit dem Hebel schon das Ende der Kamera eingeleitet hätten. Die Funktion selbst benötige ich eher selten.

Auf jeden Fall bin ich dann mit dem Original 1:1,8 50mm, Fomapan 400 Anfang Januar losgezogen zum Test.

Es war grau – und wie.

Ein echter S/W-Filmtag.

Entwickelt habe ich mit Ilford ID11 und nach dem Scan die Kamera der Vorbesitzerin abgekauft 😉

Dazwischen und rund

Dazwischen und rund

Im Dezember 2020 habe irgendwann einmal abends einen Abstecher zu meinem Lieblingsfotogeschäft gemacht. Gesucht habe ich – wie so oft – nichts Bestimmtes außer eben etwas Unerwartetes. Das klappt nicht immer, aber an dem Abend war es wieder soweit: im Restekorb lag eine Sammlung von Zwischenringen fein säuberlich zusammengeschraubt, unversehrt und mit leichtgängigen Mechaniken.
Es waren Ringe für Canon FD-Objektive von denen ich ja auch inzwischen ein paar im Schrank habe. Für den Preis eine “Togo-Capuccino” war ich quasi der Herr der Ringe.

Ich hatte offen gestanden zu dem Zeitpunkt komplett vergessen, wozu man eigentlich früher diese Ringe benutzt hat. Der bevorzugte Suchmaschinenanbieter lieferte die Lösung und den Makrofotos konnte nicht mehr viel im Wege stehen:

  • Canon AE-1 “an Stativ”
  • Canon FD 1:1,8 50mm
  • Zwischenring (wechselnd)
  • Drahtauslöser
  • Dauerlichtquelle in einem reflektieren Schirm
  • ein paar “Kleinigkeiten” zum Ablichten

und

  • eine Formel zur Berechnung des Verlängerungsfaktors!

Dieser jeweilige Auszug kostet natürlich Licht und da ich die Belichtung per externem Belichtungsmesser ordentlich einmessen wollte, brauchte ich diese. Der interne Belichtungsmesser des Blendenautomaten war für die Fragestellung “Belichtungszeit bei maximaler Blende” nicht geeignet. Die beste Formel habe ich bei Wikipedia unter “Verlängerungsfaktor” gefunden.

Die Fotos lassen sich sehen, obwohl doch ein paar der Fotos einen deutlichen, hellen Bereich in der Mitte ausweisen. Mit etwas Lightroom-Nachhilfe bekäme man das Wohl in der Griff.

Wenn man solche Makroaufnahmen tatsächlich benötigen würde, würde ich wohl doch eher digital arbeiten und aktuelle Objekte mit ihren Makro-Funktionen verwenden. Dafür Film einzusetzen hat für mich keinen echten Reiz.

Aber zum Einstiegspreis eines Capuccino ist das natürlich eine feine Sache!

Zu ikonisch?

Zu ikonisch?

Wenn man nicht gerade eine analoge Leica erworben hat, dann ist das gute Stück, das man in den Händen hält, schon recht betagt. Meine Analogen sind i.d.R. 40+ Jahre alt. Dank des hybriden Arbeitsprozesses Film+Digitalbearbeitung wirken die Fotos schnell anders als “damals” vor 2000.
Auch wenn eine “Verbesserung” à la Instagram doch verpönt ist, hinterläßt das Hebeln in Lightroom an Schwarz, Weiß, Höhen, Tiefen und Kontrast seine Spuren. Die Fotos sind um Längen prägnanter als zumindest ich sie damals im S/W-Fotolabor hinbekommen habe!
Nicht, dass ich unfroh über Resultat und die unramponierten Hände (die Bäder!) bin. Aber dennoch ist die Frage, ob’s nicht doch auf die Dauer so etwas anstrengend, ermüdend mit dem Ausdruck wird.
Meine Feststellungen:

  1. Falls das Negativ falsch belichtet ist, lautet das Leitwort “Retten”; also Regeln was möglich ist, um ein möglichst wenig scheußliches Foto zu erhalten.
  2. Bei “Übersichtsaufnahmen” mit Landschaften und vielen Details besteht eigentlich wenig Gefahr des Zuviel. Die Landschaften brauchen einfach Pflege in Lightroom. Trotz Gelb-/Orange- oder Sonstwas-Filter braucht der Kontrast “im Himmel und auf Erden” dann doch Nachhilfe.
  3. Bei eher abstrakten Motiven oder architektonischen Aufnahmen besteht eher die Gefahr, dass es “zu heftig wird”.

Ich denke, ich werde bei Typ 3 demnächst einmal versuchen, eine gepflegte, unaufgeregte Nüchternheit und Langeweile zu produzieren.
Mal sehen, ob mir das gefällt.

Die gezeigten Aufnahmen wurde gemacht mit einer Minolta SRT-101b, 50mm Objektiv + Gelbfilter auf Ilford Pan 100@200 entwickelt in Ilford ID-11 1:1.

 

Mal nicht so ein grober Film

Mal nicht so ein grober Film

Normalerweise versuche ich viel und und ökonomisch zu fotografieren. Man übt und hält doch die Kosten im Zaum. So verwende ich sehr gerne einen Film von z.B. Fomapan. Leider läßt sich der Fomapan 400 eben nur fast gar nicht an winterliche “available light” Konditionen anpassen.
So kam dann jetzt der Kodak T-MAX 400@800 zum Einsatz. Kamera war der Zeitautomat Minolta XG2 mit in der Regel dem MC Rokkor-PF 1:1,7 bzw. dem MD Rokkor 1:1,4 je 50mm; bei Tageslichtaufnahme dann natürlich mit Gelbfilter.
Nachdem der T-MAX dann doch etwas teurer als mein übliches Filmmaterial ist, durfte dieser sich auch in ID-11 Stammlösung entwickeln. Optimale Voraussetzungen für ordentliche Bilder.

Es hat geklappt. Die Fotos sind teilweise “unverschämt” feinkörnig. Ich denke, dass ich den Film nochmal in meiner Leica mit der besseren Optik einsetze. Dann müßte er seine Möglichkeiten nochmal umso mehr ausspielen können.

Retro-Urlaub

Retro-Urlaub

2020 ist auch das Jahr eines völlig vergessenen Reise-Gefühls. Man urlaubt in Deutschland. Da passt doch die Verwendung einer Analog-Kamera mit Farbfilm perfekt dazu. Da ich mich nicht groß mit etwas Zeit kostenden Belichtungsmessungen beschäftigen wollte, kam der Blendenautomat Canon AE-1 zum Einsatz. Das hat  auch bei den vielen Personenaufnahmen echte Vorteile gehabt. 
Bei so einer über 40 Jahre alten elektronisch arbeitenden Kamera weiß man ja nie, ob sie durchhält. Daher habe ich vorsichtshalber noch eine etwas jüngere Canon AE-1 Program mitgenommen. Objektive und Batterie kann man dann so untereinander austauschen. Die Sorge war unbegründet. Meine Schülerkamera aus 1976 hielt ohne Auffälligkeiten durch.
Die Fotos in der Galerie unten enthalten – verständlicher Weise – leider keine Personenaufnahmen. Gerade aber das war für mich das interessante Ergebnis: die Personen erscheinen natürlicher mit mehr ungekünstelter Alltagsmimik. Sie wirken sehr authentisch. Aber warum? Ich denke, dass diese Faktoren hier bestimmend sind:

  • Die doch kleinen, zierlich gestalteten alten Analogkameras machen den Fotografierten keine Angst. Sie treten ungezwungen auf.
  • Der Aufnahmeprozess ist doch etwas langwieriger und “man” sieht das eher als lustige Spielerei an, bei der man nicht weiß, ob wirklich ein genaues Abbild herauskommt; “Stress” für den Fotografen, aber nicht für den Abgelichteten.
  • Die Aufnahmen sind nicht so perfekt wie die Digitalaufnahmen. Da bleibt viel Imagination des Betrachters.

Ob Sach- oder Personen-Fotos beide Kategorien haben aber gemeinsam, dass diese “Imperfektheit” erst das eigentliche Bild wirken lässt. 
Das nicht 100%-technisch vollkommene Foto befördert die Vorstellungskraft des Betrachters. Dadurch wirkt es wirklich.

 

Low light – low budget

Low light – low budget

Bei einem samstäglichen Abstecher zu Foto Sauter in München hatte ich ein Minolta MC ROKKOR-PF 1:1,7 50mm für sagenhafte 10€ erblickt. In einem Anfall von GAS (gear acquisition syndrome) musste ich zuschlagen. Endlich hatte ich die perfekte “low budget”-Kombination für die Minolta SR-T 101b, die ich seinerzeit für 3€ aus dem Fundkorb “gerettet” hatte. 13€ für eine funktionierende Vintage-Kamera. Genial!

Es traf sich gut, dass ich beruflich eine Nacht in Regensburg übernachten durfte. Ich wollte mich mal wieder an Nachtaufnahmen versuchen. Wenn schon low-budget, dann aber richtig. Also musste der Fomapan 400 ran. Da ich ggf. aus der freien Hand fotografieren wollte, entschied ich mich dafür, ihn zu pushen auf ISO 800. “Laut Tabelle im Internet” sollte das mit dem Ilford ID-11 funktionieren. Naja, nicht so richtig … wie sich später zeigte.

Auf jeden Fall ist etwas doch etwas auf den Fotos drauf. Die 800 hat der Film nicht erreicht und es körnt kräftig.
Beim nächsten Mal dann doch lieber wieder ein HP5+ oder TriX für solche Experimente.

 

Kamera raus – Film rein – los!

Kamera raus – Film rein – los!

Die ganze Woche Mo – Sa gearbeitet und wenig Sonne gesehen, da lag es nahe, am sonnigen Sonntag an der frischen Luft abzuschalten. Mir hilft es da besonders gut, einfach sich eine Kamera zu schnappen und herauszugehen.

Vor einem Jahr hatte ich mir eine Leica M4-P zugelegt und seitdem wenig genutzt – zu wertvoll. Mir war einfach wohler, mit den profanen Altersgenossen von Canon, Minolta und Co. loszuziehen. Nachdem seit ein paar Monaten dann auch noch ein Voigtländer NOKTON 1:1,5/50 im Schrank drohte zu verstauben, war der Entschluss gefasst: Fomapan 100, Leica M4-P, Voigtländer mit Gelbfilter und ein Belichtungsmesser (diese Leica hat keinen …).  

Am Nachmittag bin ich spontan mit dem Fahrrad nach Starnberg herausgefahren. Natürlich musste eine Kamera mit. Es kam die alte Minolta SR-T 101b mit dem einfachen 1:1,7er 50mm Objektiv mit; der obligatorische Gelbfilter natürlich auch.

Beide Filme wurden abends mit Ilford ID-11 in der Mischung 1:3 zusammen entwickelt. Beim Ilford Pan 100 wurde das Mischverhältnis als schärfesteigernd angegeben. Das scheint beim Fomapan auch zu funktionieren.

Mein Fazit:

  • Das Mischverhältnis 1:3 für ID-11 ist interessant. Selbst der praktisch “un-pushbare”, stoische Fomapan bemüßigt sich, etwas “knackiger” zu werden.
  • Die Voigtländer Optik ist doch “deutlichst” besser als die uralte Minolta Optik. Die Schärfe begeistert mich.
  • Allerdings ist die Kombi Leica+Voigtländer ca. 100 x so wertvoll wie die Minolta + Standardoptik.
  • Für unbeschwerte Ausflüge ohne wichtige Fotoambitionen darf weiter die Riege Minolta/Canon/Praktica zum Einsatz kommen 😉
Ein neuer Film

Ein neuer Film

Ich liebe es, preisgünstige S/W-Filme zu nutzen. Leider hat – wie bekannt – mein Lieblingsfilm Fomapan 100 so seine Schwächen. In den hellen Partien neigt er zum Überstrahlen (geringer Lichthofschutz) und in den Tiefen ist es bisweilen finster.
Durch Zufall bin ich auf den nicht so gängigen aber günstigen Ilford Pan 100 gestoßen. Im 10er Pack ist er pro Film nur 1€ teurer als der freundliche böhmische Film. Also kam der Ilford bei einer kleinen Fahrradtour durch das Altmühltal zum Einsatz:

  • Ilford Pan 100
  • Praktica MTL 5
  • Revuenon 1:2,8 35 mm + Gelbfilter
  • Entwicklung mit Ilford ID-11 mit Verdünnung 1:3 (schärfesteigernd)

Ich bin sehr zufrieden mit dem Film. Schön scharf, wenig Korn, in den Tiefen ausgewogen.
Der Film wird noch öfter zum Einsatz kommen! Vielleicht dann mal in der gepushten Variante 100@200. Das ist beim Ilford Entwickler so mit offiziell angegeben.

FOMAPAN 100 Classic

FOMAPAN 100 Classic

Wenn man gerne und viel fotografiert, kann Analogfotografie schon durchaus teuer werden. Selbst so ein Kleinnegativ entwickelt&gescannt kann dann pro Schuß schon schnell 1/2 € kosten. Auch die Fehlschüsse. Pro Stück.
Um quasi ohne größeren “Geizreiz”, “Finanzsperre” oder einfach nur schlechtem Gewissen fotografieren zu können, hilft nur die eigene Filmentwicklung und ein günstiger S/W-Film. Hilfe kommt aus einem östlichen Nachbarland: FOMAPAN 100 Classic!

Im Zehnerpack bewegt sich preislich so ein Film auf dem Milchkaffee-Niveau in München. Also ist so ein Film perfekt für einen sonnigen Sonntag. Von den Ergebnissen hat man auf jeden Fall mehr als von dem warmwässrigen Preis-Neffen*! (*Weder verwandt noch verschwägert.)

Leider hat der Fomapan 100 und auch 400 auch nach meiner Erfahrung die unschöne Eigenschaft von Lichthöfen. Helle Stellen werden unangenehm überbetont. Man bekommt das kaum in den Griff. Siehe Beispiel:

Der Film scheint bedeckten Himmel und gleichmäßiges Licht zu lieben. Dann belohnt er einen mit einem wunderbaren, klassischen S/W-Look.
Ich habe jetzt etwas herumprobiert, welche Kombination diese unschöne Überstrahlung etwas im Zaume hält, ohne dass man verzweifelt wild in Lightroom alle Regler zieht:

  • Gelbfilter
  • Entwicklung mit Adox FX-39 II
  • Scannen mit dem Profil Ilford FP4+

Irgendwie scheint diese Kombi zu helfen und das Überstrahlen einzudämmen.

Andere Erfahrungen?

Anmerkung: die Fotos erstellt mit Minolta SR-T 101b, 1:1,7 50mm.